Skandal um Sponsorgelder
Die Enthüllungen rund um den Telekom Austria-Korruptions-Komplex nehmen vorläufig kein Ende. Anfang September 2011 geriet nun auch der Fußballklub FC Kärnten in den Strudel der Affäre. Der inzwischen insolvente Fußballverein soll in den Jahren 2005 und 2006 von der Telekom 500.000 Euro erhalten haben, erklärte Gabriela Moser, Grünen-Abgeordnete im Nationalrat. Gleichzeitig erhob sie die Forderung nach einer umfassenden Aufklärung der Vorgänge und verlangte den Rücktritt von Wolfgang Schüssel. Moser wirft Schüssel zwar keine unmittelbare Beteiligung an den Machenschaften vor, sieht ihn aber in der Verantwortung und erwartet von ihm, dass er die entsprechenden Konsequenzen zieht. Einen Untersuchungsausschuss hält sie schon deshalb für notwendig, um einer drohenden Politikverdrossenheit infolge der Korruptionsaffäre entgegenzuwirken.
In Schüssels Amtszeit als österreichischer Bundeskanzler fallen die Aktivitäten rund um die Telekom, die derzeit die Staatsanwaltschaft beschäftigen. Die Liste der in die Affäre verstrickten Personen umfasst auch Politiker, bis hin zu Angehörigen aus Schüssels Kabinett.
So soll sich zum Beispiel Hubert Gorbach, Schüssels Vizekanzler von der BZÖ, dafür hergegeben haben, die Novelle der Universaldienstverordnung den Wünschen der Telekom Austria entsprechend gestaltet zu haben, was der Telekom über 10 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen jährlich beschert hat. Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung erhielt er von der Telekom insgesamt 264.000 Euro, und auch für seine Partei, das mit Jörg Haider zusammen gegründete BZÖ, fielen 600.000 Euro ab. OVP-Innenminister Ernst Strasser verschaffte der Tetron, einem Konsortium, an dem die Telekom beteiligt war, den Zuschlag für den neuen Polizeifunk. Die Verteilung der Provisionen erfolgte über die panamaische Briefkastenfirma Velora , unter anderem Honorare in Höhe von 1,1 Millionen Euro an Alfons Mensdorff-Pouilly, den Ehemann von Strassers Parteifreundin, der damaligen Umweltministerin Maria Rauch-Kallat. Diesen Honoraren stehen keine nachvollziehbaren Dienstleistungen gegenüber. Velora gehörte dem PR-Berater Peter Hochegger, der von der Telekom für seine Dienstleistungen insgesamt 25 Millionen Euro erhalten haben soll.
Dass diese Einzelheiten bekannt wurden, ist Gernot Schieszler, dem früheren Vize-Finanzvorstand der Telekom Austria zu verdanken, der sich von seinen umfassenden Aussagen in der Rolle als Kornzeuge Straffreiheit erhofft. Er hatte im Jahr 2004 den Broker Johann Wanovits damit beauftragt, durch Kursmanipulationen den Aktienkurs der Telekom in die Höhe zu treiben. Wanovits bekam dafür eine Million Euro, Schieszler und weitere rund 100 Mitarbeiter der Telekom kamen durch den höheren Aktienwert in den Genuss von Bonuszahlungen in Höhe von insgesamt neun Millionen Euro.
Die Justiz eingeschaltet hatte Marion Moser mit einer Strafanzeige wegen Kursmanipulation gegen den Konzern. Der FC Kärnten bestreitet indessen, Zahlungen von der Telekom erhalten zu haben.